Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria)

Familie der Cucurbitaceae - Kürbisgewächse
Engl.: bottle gourd, white-flowered gourd, calabash gourd
Franz.: courge bouteille, calabassier 

Nährwert (pro 100g):
19 kcal, 78 kj
Eiweiss 0.4g, Fett 2.2g
2.2g Kohlenhydrate 

Geschichte:
Diese Kürbisart ist wohl vielen von uns eher aus Kunst und Literatur als vom Markt bekannt: ausgehöhlte Flaschenkürbisse wurden während Jahrhunderten als preiswerte Gefässe anstelle teurer Krüge und Schüsseln aus Ton verwendet. Bei ausgereiften Exemplaren sind die Schalen nämlich hart, holzig und sogar wasserdicht. Auf alten chinesischen Zeichnungen sind Mönche mit Kalebassen am Gürtel abgebildet, in denen die weisen Männer ihren Vorrat an Wasser und Kräutern mit sich führten. Aus Dhudis werden in Indien auch Musikinstrumente hergestellt, und bei der Lektüre von Mark Twain, Margaret Mitchell und Harriet Beecher-Stowe begegnen sie uns als praktische Gebrauchsgegenstände in den Hütten der Sklaven und der weissen Unterschicht. 

Herkunft:
Das genaue Ursprungsgebiet ist leider nicht bekannt, bisher wurden Wildformen nirgends gefunden. Doch es ist fast sicher, dass sich Dhudis ohne menschliches Zutun selbstständig verbreitet haben - genau wie Süsskartoffeln und Kokosnüsse, allerdings viel früher. Menschen beider Hemisphären kultivierten die Kürbisse lange vor Kolumbus und dem weltweiten "Export" einheimischer Pflanzen: Mexikanische Funde sind etwa 9000, peruanische und ägyptische um die 5000 Jahre alt. In China tauchten sie im 1. Jahrhundert n.Chr. auf, bei den Manori in Neuseeland im 12. Jahrhundert. Man nimmt an, dass reife Früchte durch Meeresströmungen über die ganze Erde verteilt wurden; die Samen von Dhudis bleiben ca. 9 Monate keimfähig. 

Anbau:
Fast überall in den Tropen. 

Import:
Dhudis werden unregelmässig aus Indien und Thailand importiert. 

Frucht:
· Das Fruchtfleisch, Samen, junge Triebe und Blätter sind essbar.
· Die Form gleicht der einer Flasche oder Keule; gerade oder leicht gekrümmt.
· Die Grösse ist sehr unterschiedlich.
· Die Schale ist bei asiatischen Dhudis oft graugrün und weich, bei afrikanischen Varietäten oder ganz ausgereiften Exemplaren auch hellgrün und hart.
· Das Fruchtfleisch ist fest, zart und weich.
· Im Geruch sind Dhudis neutral.
· Dhudis schmecken neutral und leicht süss.
· Dhudis guter Qualität haben eine glatte und feste Schale, bei jungen Früchten ist sie weich.
· Eine harte und holzige Schale zeigt überreife Früchte an. 

Anwendung:
· Gegart. 

Vorbereitung:
· Zum Füllen die Dhudis nur waschen; für andere Zubereitungen anschliessend noch schälen. 

Lagerung:
· Ganze Früchte sind während einigen Wochen in einem kühlen Raum haltbar (wie alle Kürbisse).
· Aufgeschnittene Dhudis innerhalb von 2 Tagen verwenden. 

Tipps:
· Zum Füllen oder Überbacken eignen sich grössere Exemplare mit fester Schale.
· Zum Schmoren kleine Früchte mit zartem Fruchtfleisch nehmen.
· Flaschenkürbisse sind in Asienläden und bei Fachhändler für exotisches Obst erhältlich.
· In Japan werden dünne Streifen vom Flaschenkürbis getrocknet und als Dekoration oder wie essbares Küchengarn verwendet: Mit kampyo hält man zum Beispiel gerollte Sushi zusammen. 

Gerichte:
· Aus Westafrika: geschälten Kürbis in Salzwasser garen, mit Butter, Mehl, Ei und Kokosmilch mixen. Mit Vanille würzen und etwa 1 Stunde als Auflauf kochen.
· Aus Indien: mit würziger Kartoffelfüllung, in Koriander-Ingwersauce schmoren.